Wer noch mehr in die Welt der Autorin eintauchen möchte, kann hier die seit dem „Tag für die Literatur“ am 25. Mai 2025 online verfügbare multimediale Annäherung an ihr Leben und Werk besuchen.
als 2004 die Spurensuche in Henny Kochs Geburtsort Alsfeld begann,
dann im Herbst auch eine Ausstellung in der Universitäts- und Landesbibliothek in Darmstadt stattfand,
als 2009 Henny Koch Thema beim hessischen „Tag für die Literatur“ wurde, eine Ausstellung und ein literarischer Spaziergang sie in ihrem jahrzehntelangen Wohnort Jugenheim an der Bergstraße wieder in Erinnerung rief,
als es seit 2021 jährlich einen Henny-Koch-Preis für Seeheim-Jugenheimer Schülerinnen gibt
und als 2025 Henny Koch anlässlich ihres 100. Todestages gedacht wurde.
Das Gedenkjahr rund um Henny Kochs 100. Todestag am 13. Juni 2025 hat meiner Forschung und dieser Homepage mal wieder neuen Schwung gegeben. Nach dem Start meiner Henny-Koch-Reise zu ihrem 150. Geburtstag 2004 hatte ich mir immer zum Ziel gesetzt, 2025 erneut zu einem besonderen Jahr zu machen. Nun kann ich auf ein arbeitsintensives Jahr, aber vor allem auf viele bewegende Momente, neue und wiederbelebte Kontakte, interessante neue Impulse und lebendige Erinnerungskultur zurückblicken:
Am 25. April 2025 erschien die von mir kommentierte Ausgabe von Papas Junge – die erste Ausgabe ohne Frakturschrift, mit Erklärungen und einer zeitlichen und literarischen Einordnung – ein Herzensprojekt, das Henny Kochs erfolgreichstes Werk einem neuen Publikum nahebringt und in neuem Licht zeigt.
Am 19. August erschien auf Bürgerleben.de ein Gastbeitrag mit dem Titel Backfische und eine ihrer Lieblingsautorinnen: Henny Koch. Auf diesem Portal finden sich für alle Geschichtsinteressierten Artikel und Informationen zu verschiedenen Themen rund um die Zeit des 19. Jahrhunderts und der Belle Époque.
Und zum Jahresende schließlich noch ein Besuch der Henny-Koch-Bank in Jugenheim und ein großes Dankeschön an alle, die in diesem Jahr mitgelesen, mitgedacht und mitgefeiert haben!
In diesem Jahr bin ich mit einer Online-Veranstaltung dabei, und zwar mit einer multimedialen Annäherung an ihr Leben und Werk als Scrollytelling-Projekt.
Es ist ein Experiment und natürlich nicht mit einer Ausstellung vor Ort zu vergleichen, aber es ist eine Möglichkeit auf eine ganz neue und besondere Weise in die Welt von Henny Koch einzutauchen und den Zauber ihrer Geschichten interaktiv zu entdecken.
Einfach auf das folgende Bild oder hier klicken und los geht’s:
Ein paar Tipps:
einen möglichst großen Bildschirm verwenden (Es funktioniert sowohl mit PC, Laptop, Tablet als auch mit dem Handy)
Ton über das Symbol oben aktivieren (Dann hört man Erklärungen, Töne und Musik, die zusätzlich Atmosphäre schaffen)
mit der Maus (beim Desktop) oder mit dem Finger (beim Handy) durch die Geschichte scrollen
interaktive Elemente entdecken (Bildergalerien durchklicken, Vorher-/Nachher-Schieber bewegen, Hotspots auf Bildern anklicken, Pfeile anklicken, um Zusatzinfos zu erhalten)
den roten Balken oben beachten (Daran sieht man, an welcher Stelle man sich befindet)
über das Menü zu bestimmten Kapiteln navigieren (Beim Desktop in der Kapitelleiste oben, beim Handy über Klick auf die drei Striche links oben)
Kommentierte Ausgabe von Papas Junge
Zum Gedenkjahr ist eine kommentierte Neuauflage von »Papas Junge« erschienen, die neben dem vollständigen Backfischroman von Henny Koch auch wertvolle Zusatzinformationen enthält: Begriffserklärungen, Hintergrundwissen zur Autorin und eine historische und literarische Einordnung.
Die Leseprobe enthält das 1. Kapitel der kommentierten Ausgabe mit Erklärungen schwieriger oder veralteter Wörter in den Fußnoten. Außerdem sind auch Teile des Anhangs enthalten, u.a. der Lebenslauf der Autorin, Personenverzeichnis, Informationen zu den ausländischen Ausgaben und Gegenüberstellung der verschiedenen Illustrationen.
Liebe Dana,
dein Srollytelling über Henny Koch ist klasse geworden! Eine neue - und sehr schöne sowie interessante Art - eine Autorin kennenzulernen.
Danke schön
Rabea
Carola
aus Othmarsingen, Schweiz schrieb am 25. Mai 2025 um 12:42
Liebe Dana, was ein gelungenes Scrollytelling. Toll, ich habe es sehr genossen. Informativ, unterhaltsam und so schön gestaltet. Herzlichen Dank dafür und herzlichen Glückwunsch dir zu der toleln Umsetzung.
Judith Brunschwiler
aus Thayngen schrieb am 25. Mai 2025 um 10:56
Liebe Dana,
so eine gelungene Online-Ausstellung, in die ich begeistert eingetaucht bin und darüber völlig die Zeit vergessen habe.
Herzliche Grüße
Judith
Münchmeyer-Schöneberg
aus Berlin schrieb am 25. Mai 2025 um 8:15
Mit Vergnügen habe ich Ihren anschaulichen Beitrag gelesen, gehört, angesehen. Beeindruckt haben mich die vielen ausländischen Ausgaben und die italienische Verfilmung.
Ich habe den Eindruck, dass der "Trotzkopf" bei vielen Szenen Pate gestanden hat oder ?
Bleiben Sie weiter dran, es gibt sicher noch viel zu entdecken.
Dana Rothstein aus Bregenz schrieb am 26. April 2025 um 20:12
Ich freue mich sehr über Einträge in das Gästebuch!
Mit Papas Junge in die Welt hinaus
Eine Online-Ausstellung zum Tag für die Literatur in Hessen
Henny Koch ist eine unter der Jungmädchenwelt sehr beliebte Schriftstellerin. Sie schreibt flott und frisch und bei aller recht ausgelassenen Lebenslust zeichnet sie auch ernste Linien von Lebensweisheit und echter Liebe in ihre Bilder. (Verlagsanzeige)
Zum 100. Todestag der Jugendbuchautorin und Übersetzerin Henny Koch laden wir hier zu einer multimedialen Annäherung an ihr Leben und Werk ein.
Henny Koch war eine gefeierte Autorin der Kaiserzeit. 1854 in Alsfeld geboren, lebte sie lange in Jugenheim an der Bergstraße, wo sie 1925 starb.
Ihr Bestseller »Papas Junge« erlebte 94 Auflagen, wurde in sieben Sprachen übersetzt und in Italien 1943 sogar verfilmt.
Die Online-Präsentation bietet die Möglichkeit, in die Welt von Henny Koch einzutauchen und den Zauber ihrer Geschichten interaktiv zu entdecken.
Stationen in Henny Kochs Leben
Am 22. September 1854 kommt Henriette Koch als erstes Kind des Kaufmanns Carl August Koch und seiner Frau Amalie in Alsfeld zur Welt. Carl August Koch entstammt einer Leinenfabrikantenfamilie, die 1750 in Alsfeld ihr Geschäft gegründet hat. In der Mitte des 19. Jahrhundert – etwa zur Zeit von Henriettes Geburt – führen Erbstreitigkeiten zum Ende der Koch‘schen Leinenfabrikation. Carl August Koch muss nun für seine kleine Familie eine neue Lebensperspektive finden.
Am 22. September 1854 kommt Henriette Koch als erstes Kind des Kaufmanns Carl August Koch und seiner Frau Amalie in Alsfeld zur Welt. Carl August Koch entstammt einer Leinenfabrikantenfamilie, die 1750 in Alsfeld ihr Geschäft gegründet hat.
In der Mitte des 19. Jahrhundert – etwa zur Zeit von Henriettes Geburt – führen Erbstreitigkeiten zum Ende der Koch‘schen Leinenfabrikation.
Carl August Koch muss nun für seine kleine Familie eine neue Lebensperspektive finden.
So kommt Henriette, erst vier Wochen alt, zu ihren Großeltern nach Frankfurt am Main, in das Elternhaus ihrer Mutter, deren Vater als Stadtgerichtssekretär einen höheren Posten in der städtischen Verwaltung innehat, und verlebt dort die ersten Kindertage.
So kommt Henriette, erst vier Wochen alt, zu ihren Großeltern nach Frankfurt am Main, in das Elternhaus ihrer Mutter, deren Vater als Stadtgerichtssekretär einen höheren Posten in der städtischen Verwaltung innehat, und verlebt dort die ersten Kindertage.
Erst zu ihrem Schulbeginn kehrt Henriette zu ihren Eltern zurück, die in der Zwischenzeit zwei weitere Kinder (1856 Friedrich Ferdinand und 1857 Johann Carl) bekommen und mit einem Weinhandel ein neues Leben für die Familie in Büdesheim bei Bingen aufgebaut haben.
Erst zu ihrem Schulbeginn kehrt Henriette zu ihren Eltern zurück, die in der Zwischenzeit zwei weitere Kinder (1856 Friedrich Ferdinand und 1857 Johann Carl) bekommen und mit einem Weinhandel ein neues Leben für die Familie in Büdesheim bei Bingen aufgebaut haben.
Als die Dorfschule nicht mehr ausreichte für unseren Bildungsdrang – oder den der Eltern in unserem Interesse, marschierten wir allmorgendlich am Naheufer her in’s benachbarte Bingen. Das waren goldene Tage. Viel Freunde & Freundinnen, fröhliches Lernen, frohes Genießen. (Henny Koch am 16. Mai 1914 an Franz Brümmer)
Als Henriette 12 Jahre alt ist, vergrößert sich die Familie noch einmal. Die Schwester Helene kommt 1866 zur Welt.
Der Vater verändert sich beruflich, steigt um 1870 in Stuttgart in ein Mode- und Manufakturwaren-Geschäft ein. Für die Familie bedeutet das einen Umzug aus einer ländlichen Gegend in die große Stadt.
Als Henriette 12 Jahre alt ist, vergrößert sich die Familie noch einmal. Die Schwester Helene kommt 1866 zur Welt. Der Vater verändert sich beruflich, steigt um 1870 in Stuttgart in ein Mode- und Manufakturwaren-Geschäft ein. Für die Familie bedeutet das einen Umzug aus einer ländlichen Gegend in die große Stadt. Henny ist mit 15/16 Jahren mitten im sogenannten “Backfischalter”.
Henny ist mit 15/16 Jahren mitten im sogenannten “Backfischalter”.
Und dann kam die Großstadt. Vater trat in Stuttgart in ein Geschäft ein. Seine Familie folgte. Landkinder in der Stadt – Vögel im Bauer! Aber man gewöhnt sich, wir auch. Und dann liebten wir Stuttgart, die Wunderschöne. Dort habe ich dann auch meine Jugendtage verbracht, in Lust & Leid. (Henny Koch am 16. Mai 1914 an Franz Brümmer)
1870/71: Deutsch-Französischer Krieg 1871: Gründung des Deutschen Reiches Mit dem ersten deutschen Kaiser Wilhelm I. beginnt die Deutsche Kaiserzeit, die sich 1888 mit dem Regierungsantritt Kaiser Wilhelms II. fortsetzt.
Dann machten es die Verhältnisse nötig, daß ich mich nach einer Tätigkeit umsah. Eine Tante war durch Heirat der Tochter einsam geworden, bei ihr fand ich ein Heim, einen Zweck. So hat mich mein Geschick hierher nach Jugenheim verschlagen, wo meine Tante ein schönes Landhaus besaß. (Henny Koch am 16. Mai 1914 an Franz Brümmer)
Die verwitwete Sophie Ernst hat zuvor bei ihrer Tochter Helene und deren Ehemann Edgar Stanton, einem amerikanischen Konsul, gelebt. Als dieser nach St. Petersburg berufen wird, will die Mutter in Deutschland bleiben.
1881 zieht Henny Koch als als Gesellschafterin ihrer Tante Sophie Ernst, einer Schwester der Mutter, nach Jugenheim.
Die verwitwete Sophie Ernst hat zuvor bei ihrer Tochter Helene und deren Ehemann Edgar Stanton, einem amerikanischen Konsul, gelebt. Als dieser nach St. Petersburg berufen wird, will die Mutter in Deutschland bleiben.
Henny Kochs Leben in Jugenheim
Warum hat Henny Kochs Tante gerade Jugenheim an der Bergstraße als Wohnort ausgesucht?
Hessische Bergstraße
Bergstrasse, so heißt die durch mildes Klima, sowie durch hervorragende landschaftliche Schönheit ausgezeichnete Gegend, die sich längs der vorderen Odenwaldberge zwischen Darmstadt und Heidelberg erstreckt. Obwohl dieses Fleckchen Erde arm an Mineralquellen ist, so sind seine erfrischenden Wald- ·und Luftbäder umso segensreicher, und umso wohltuender wirken die mannigfachen, landschaftlichen Bilder auf das Gemütsleben des Menschen.
Wer sich also von den Sorgen und Anstrengungen des geschäftlichen Lebens in Wahrheit ausruhen will, wer die lungenvergiftende Luft der Grosstädte und Fabriksgegenden flieht, um seinem Körper neue Lebenskraft zuzuführen, um Leib und Seele zu erfrischen am unversiegbaren, immer lebendig sprudelnden Jungborn der freien Gottesnatur, der findet in Jugenheim, was er sucht: Eine an landschaftlichen Naturschönheiten reiche Gegend, weit ins Gebirg führende, bequeme Waldspaziergänge, eine reine, ozonreiche Luft und vor allen Dingen die für Nerven und Gemüt so ungemein wohltuende Ruhe und feierliche Stille.
Deutsch-Englischer-Reise-Courier, 1904
Tod des Vaters
1882 stirbt der Vater im Alter von 57 Jahren, und Henny verbringt die folgenden Jahre mit ihrer Tante im zu der Zeit beliebten Luftkurort und geht mit ihr auf Reisen.
Ab 1890 findet Henny eine Beschäftigung und Erwerbsmöglichkeit im Übersetzen zeitgenössischer amerikanischer Literatur.
Übersetzungen
Emily Huntington Miller (1833-1913): What Tommy did (1885) Was Buwi alles anstellte (1890) Übersetzung: Henny Koch
Mark Twain (1835-1910): Adventures of Huckleberry Finn (1884) Huckleberry Finns Abenteuer und Fahrten (1890) Übersetzung: Henny Koch
Mary Eleanor Wilkins Freeman (1852-1930): A Humble Romance and Other Stories (1887) Ein bescheidener Roman und andere Erzählungen (1893) Übersetzung: Henny Koch
Amélie Rives Troubetzkoy (1863-1945): The Quick or the Dead? A Study (1888) Der Lebende oder der Tote? (1890) Übersetzung: Henny Koch
Tod der Tante
1895 stirbt die Tante. Henny findet danach mit ihrer Mutter Amalie ein neues Zuhause in der „Klause“, Zwingenberger Str. 10.
Die Klause
Das Haus Die Klause beschreibt Henny Kochs Jugenheimer Schriftstellerkollegin Helene Christaller in einem Nachruf in Das Kränzchen 1925 so:
Am Ende von Jugenheim, an der schönen Bergstraße, steht ein rosenumranktes Häuschen, „Die Klause“ genannt. Mitten in blühenden Wiesen und Gärten, mit dem Blick auf das Gebirge liegt es da, und wenn man durch den sorgfältig gepflegten Blumengarten eintritt, grüßen den Besucher von der Hauswand die Worte: In kleiner Klause zufriedener Sinn, So tausch’ ich mit keiner Königin.
Anfang April 2002 wird „Die Klause“ als Kulturdenkmal in die Denkmaltopographie des Landkreises Darmstadt-Dieburg aufgenommen.
Zuerst gab mir der Wunsch, der Zwang nach Erwerb die Feder in die Hand, ich versuchte zu übersetzen. Bald aber genügte mir das nicht, ich begann zu fabulieren & siehe da, meinem jungen Publikum gefiel, was ich zu sagen hatte. Es wuchs mir die Lust, der Mut, die Kraft, ich war ein glücklicher Mensch in meiner Arbeit. Und ich habe viel Freundliches drüber hören dürfen, sie ist mir ein Gnadengeschenk, für das ich nicht dankbar genug sein kann. Sie hat mir auch ein liebes eigenes kleines Nest gebaut, meine „Klauß“, in der ich mit der Mutter lange, frohe, zufriedene Jahre haben durfte.
am 16.05.1914 an Franz Brümmer
Weiterentwicklung vom Übersetzen zum freien Bearbeiten
1899 veröffentlicht Henny eine autorisierte, freie Bearbeitung der Erzählung für Mädchen Captain January von Laura E. Richards unter dem Titel Vater Jansens Sonnenschein.
Eigene Veröffentlichungen
Ab 1901 entwickelt sich Henny Koch zu einer fleißigen Schriftstellerin. Ihre ersten eigenen Erzählungen für junge Mädchen bietet sie verschiedenen Verlagen an.
Gleich zu Beginn der Karriere erscheint im Jahre 1901 Mein Sonnenstrahl im Verlag K. Thienemanns.
Außerdem veröffentlicht sie ab Herbst 1901 in Das Kränzchen, der illustrierten Zeitung der Union Deutsche Verlagsgesellschaft, ihr später erfolgreichstes Werk Papas Junge, als Fortsetzungsgeschichte.
Das Kränzchen
Die erfolgreichen Jahre als Jugendbuchautorin
Der Durchbruch in ihrer schriftstellerischen Arbeit kommt durch die Zusammenarbeit mit der Union Deutsche Verlagsgesellschaft.
Die meisten ihrer Erzählungen erscheinen fortan zunächst als Fortsetzungsgeschichten im Kränzchen und später auch in Buchform, unter anderem in der Kränzchenbibliothek.
Henny Kochs Vielfalt in den Themen ihrer Bücher
In der folgenden Bildergalerie sind alle Titel zu sehen.
Ein frischer, herzenswarmer Ton zeichnet ihre Erzählungen aus, und stets leitete sie das Bestreben, ihren jungen Leserinnen nicht bloß fesselnde Unterhaltung zu bieten, sondern auch ihr Gemütsleben zu vertiefen. Von vielen Kritikern wurde der innere Wert ihrer Schriften hervorgehoben. Nicht geringere Befriedigung als der äußere Erfolg bereiteten ihr zahlreiche Briefe, die jahraus, jahrein aus allen Gegenden unseres Vaterlandes von begeisterten, ihr persönlich unbekannten Leserinnen an sie gerichtet wurden, und deren Inhalt auf das lebendigste bewies, welch großer Beliebtheit sie sich erfreute. In der Hauptzeit ihres schriftstellerischen Schaffens – bis zum Kriege – wurde jahrzehntelang meist ihr Name genannt, wenn man junge Mädchen nach ihrer Lieblingsschriftstellerin fragte.
1899: Vater Jansens’s Sonnenschein. Erzählung für Mädchen. Autorisierte, freie Bearbeitung von Laura E. Richards Captain January
1901: Mein Sonnenstrahl
1901/1902 Papas Junge als Fortsetzungsgeschichte im Kränzchen. Lustige Streiche der wilden Friedel Polten.
1902: Das Mägdlein aus der Fremde. Die Erlebnisse eines in Kuba aufgewachsenen Mädchens, das nach dem Tode der Eltern zur Großmutter nach Hamburg kommt.
1904: Rose-Maries Weg zum Glück. Fortsetzung von Das Mägdlein aus der Fremde.
1905: Papas Junge. Lustige Streiche der wilden Friedel Polten.
1905: Die Traut. In Pension, auf Reisen, daheim, ihre Abenteuer, ihr Beruf, ihre Verlobung und Hochzeit.
1906: Mütterchen Sylvia. Leiden und Freuden einer tapferen Halbwaise als Hausmütterchen.
1907: Allerlei Lustiges für unsere Mädels und Buben. Eine Reihe munterer Episoden aus Jugendtagen.
1907: Irrwisch. Irrwischs übermütige Streiche und schlimme Sorgentage
1908: Die ins Leben lachen. Vier fröhliche und ernste Geschichten aus dem Leben der Siebzehnjährigen.
1908: Aus großer Zeit. Eine Erzählung aus der Zeit des Krieges 1870/71 für junge Mädchen.
1909: Friedel Polten und ihre Rangen. Fortsetzung von Papas Junge. Humorvoller Bericht über das weitere Ergehen Friedel Poltens als Frau.
1910: Kleine Geschichten für kleine Leute. (Was Mäuschen sich zum Geburtstag wünschte, Prinzessin Lilie, Leni, die Leseratze oder Bestrafte Schläue, Der Schutzengel, Wie Gretel Stiefmütterchen fand, Die Weihnachtspost, Bubi und Mädi als Lebensretter, Das Märchen von den Himmelsschlüsselein u.a.)
1911: Evchen der Eigensinn. Trotz-Evchens Flucht aus dem Vaterhaus und ihr Wiederheimfinden.
1911: Das Komteßchen. Eine Erzählung für junge Mädchen rund um die Themen Ahnenstolz, Klassenhass, Liebe und Liebesverzicht, Konflikt zwischen Pflichten und Rechten – trotz aller Romantik ein Stück wahres, reiches Leben.
1912: Im Lande der Blumen. Wunderbare Erlebnisse einer jungen Schwäbin in Japan.
1914: Ein tapferes Mädchen. Die Erlebnisse eines Mädchens auf Amerikareise nach einem familiären Schicksalsschlag.
1916: Die Vollrads in Südwest. Die Erlebnisse der Familie Vollrad in der damaligen deutschen Kolonie in Südwestafrika.
1916: Die Patentochter des alten Fritz. Eine Erzählung für junge Mädchen.
1916: Wildes Lorle. Erlebnisse einer Gruppe junger Menschenkinder als Wandervögel und mit Ausbruch des 1. Weltkriegs als Soldaten und Mädchen an der „Heimatfront“, vor dem Hintergrund der Region um Darmstadt und Odenwald.
1917: Die verborgene Handschrift, zunächst unter dem Titel Bella Venezia erschienen. Bilder von Venedigs Pracht und Herrlichkeit in vergangenen Tagen.
1917: Aus sonnigen Tagen. Kurze Geschichten aus sorglos-fröhlicher Kinderzeit für Mädchen im Alter von 9-14 Jahren. Lustiges, Heiteres und Ernstes aus Schule und Haus. (Lottes Weihnachtswunsch, Zeppeline, Ein Tag von Vorbedeutung, Klärchen im Bohnenkaffee. Hoheit kommen, Die vom Sonnenbund u.a. )
1919: Klein Großchen. 2. Fortsetzung von Papas Junge. Friedel Polten als Mittelpunkt einer fröhlichen Enkelschar.
1921: Glory. Eine lustige deutsche Mädelgeschichte. Erlebnisse eines deutschen Mädchens in Amerika.
1922: Von der Lach-Els und anderen. Lichte Mädchengeschichten aus trüber Zeit.
1922: Jungfer Ursel. Eine Erzählung aus dem 30jährigen Krieg. Erlebnisse eines Göttinger Mädchens im Dreißigjährigen Krieg.
1924: Das Heiterlein. Die Geschichte eines sonnigen Menschenkindes.
1925: Hochgeborene. Vier Erzählungen. Lebensskizzen vier junger Mädchen. Drei Tage aus Prinzeßchens Leben. Sonne Rynken und ihr Garten. Mutter Glucke und ihr Entlein. Heiderose.
1930: Wir Fünf. Wie Ilse zum Wandervogel bekehrt wurde. Zwei Erzählungen für junge Mädchen.
Es sind schließlich 21 große und dazu noch zahlreiche kleine Erzählungen, die in 7 Sammelbänden erscheinen.
Südhessische literarische Verbindungen
In den 44 Jahren in Jugenheim baut Henny Koch sich natürlich einen Freundeskreis auf.
Südhessische literarische Verbindungen
Erstaunlich ist, dass in diesem kleinen Ort gleich zwei Schriftstellerkollegen dazu gehören. Neben Henny Koch als Mädchenbuchautorin leben dort die heute zumindest noch regional bekannte Romanautorin Helene Christaller und Reinhard Roehle als Autor von Knabenbüchern. Der Altersunterschied von ungefähr 20 Jahren macht offensichtlich nichts aus.
Beide schreiben später Nachrufe, in denen einiges über den Menschen Henny Koch zu erfahren ist.
Außerdem taucht Henny Koch auch in Helene Christallers autobiographischem Buch Als Mutter ein Kind war als ‚Fräulein Henny’ auf:
„Da möchte ich dabei sein, wenn der Hund beschert wird“, sagte Fräulein Henny. „Wenn Kinderaugen so leuchten im Glanz der Kerzen, das ist das Schönste, was es gibt.“ Sie ist ein bissel poetisch, was sich nur gehört, da sie ja Schriftstellerin ist.
Henny Koch korrespondiert zudem mit dem Bensheimer Dichter Karl Ernst Knodt, dem sogenannten „Waldpfarrer“, der ungefähr in ihrem Alter ist und besucht ihn öfters.
Das Jahr 1914
Das Jahr 1914 bringt viele Veränderungen – für Henny Koch persönlich, als am 10. April ihre Mutter stirbt und für die Welt mit dem Beginn des 1. Weltkriegs Ende Juli 1914.
Das Kriegsende
Am 11. November 1918 ist der Krieg zu Ende, ein Krieg, in dem viele Millionen Soldaten und Zivilisten ihr Leben verloren haben.
Folgen des 1. Weltkriegs
Er hinterlässt eine Welt im Wandel, mit politischen, sozialen und wirtschaftlichen Umbrüchen, die das 20. Jahrhundert prägen. Die Monarchien brechen zusammen, das Deutsche Reich wird zur Weimarer Republik. Es kommt zu einer Inflation. Armut, Hungersnot und gesundheitliche Folgen prägen den Alltag vieler Menschen.
Henny Kochs letzte Lebensjahre
Inflation
1923 erlebt die deutsche Bevölkerung den Höhepunkt der Inflation, die besonders seit 1921 spürbar ist. Im November wird die alte Währung im Verhältnis 1 : 1 000 000 000 000 (1 Billion) abgewertet.
Für die Buchausgabe von Papas Junge zum Beispiel bezahlt man anfangs 4,50 Mk, nach dem 1. Weltkrieg 7,50 Mk, 1920 dann schon 18 Mk, und in der Folge steigert sich der Preis über die „Schlüsselzahl“ des deutschen Buchhandels im August 1923 von 300.000 auf 9 Million Mk. Im November ist der Höchstpreis dann 4,95 Billionen Mk.
In dieser Klause ist in den letzten Monaten ein schwerer Kampf mit Krankheit und Tod ausgefochten worden, und daß er so ausging, lag vielleicht daran, daß die Kämpferin nicht mehr gern lebte; sie war lebensmüde und lebenssatt. […]
Als ich sie an ihrem letzten Krankenlager besuchte und ihr ein Körbchen frisch gepflückter Veilchen brachte, sprach sie mit müder Stimme davon, daß das Leben keine Freuden mehr für sie habe; es sei nicht der Mühe wert, gesund zu werden. „Aber haben Sie nicht noch Freuden zu vergeben?“ fragte ich sie. „Denken Sie an die Hunderttausende von jungen Menschen, deren Augen leuchten, wenn sie ein Buch von Henny Koch auf dem Weihnachtstisch finden!“ Da ging ein heller Schein über ihr verfallenes Gesicht. „Ja, das ist noch das einzige – Freude geben,“ flüsterte sie matt.
Wir wollen sie nicht vergessen, die so vielen Freude gab in ihrem Leben und arm an Freude von dannen ging, beladen mit dem Los der geistigen Persönlichkeit: ungeheure Forderungen an das Dasein zu stellen. (Helene Christaller)
Durch die Folgen des 1. Weltkriegs sind Henny Kochs letzte Lebensjahre mit Kummer und Sorge verbunden.
Wirtschaftlich wird es selbst ihr als Erfolgsautorin nicht gut gegangen sein, ihr junges Lesepublikum hat sich durch die Erlebnisse der letzten Jahre verändert, die Überzeugungen aus dem Kaiserreich mit Patriotismus, Nationalstolz und Sicherheit sind ins Wanken geraten. Gesundheitlich geht es ihr auch nicht gut.
Henny Koch stirbt 70jährig am Samstag, 13. Juni 1925, in Jugenheim.
Neuauflagen nach Hennys Tod
Henny Kochs Bücher erscheinen weiterhin, Ende der 1920er Jahre schenkt der Verlag ihnen eine neue moderne Ausstattung.
Von Papas Junge sind in Deutschland bis 1940 Ausgaben nachweisbar, das Buch erlebt sogar die 94. Auflage.
Ausgaben im Ausland
Zu Henny Koch Lebzeiten erscheinen schon Ausgaben von Papas Junge in Italien (1905), in den Niederlanden (1907), in Norwegen (1911) und in Ungarn (1925). Nach ihrem Tod folgen noch Spanien (1929) und Polen (1930).
Nach dem 2. Weltkrieg
Nach dem 2. Weltkrieg gibt es leider keine Nachkommen mehr, die sich um eine deutsche Neuauflage von Papas Junge, einem Klassikers der Mädchenliteratur bemühen können, wie es z.B. beim Trotzkopf von Emmy von Rhoden oder der Nesthäkchen-Reihe von Else Ury der Fall ist.
Im Ausland allerdings werden noch Ausgaben von Papas Junge verlegt – in Argentinien (1949), und Neuausgaben in Spanien und Italien – sogar bis in die 1970er Jahre.
Beispiele für in den letzten Jahrzehnten erschienenen Backfischbuchklassiker
Lassen wir zeitgenössische Stimmen sprechen und uns das Buch vorstellen:
Von den anderen Neuheiten des diesjährigen Weihnachtsmarktes wollen wir zunächst eines Buches gedenken, das eine der früheren Erzählungen des Kränzchen enthält: Papas Junge von Henny Koch (Preis geb. Mk. 4.50). Diese drollige, sehr belustigende Geschichte berichtet, wie es der Tochter eines Gutsbesitzers in ihren Backfischjahren erging, nachdem sie zeitlebens der mütterlichen Fürsorge entbehren mußte und so, im steten Umgange mit dem herzlich geliebten, aber ziemlich biderben Vater, erzieherisch genommen mehr Junge als Mädel geworden war. Als dann der Fehler erkannt wurde und verbessert werden sollte, ergaben sich ergötzliche Verwicklungen, die sich aber bei der gesunden Veranlagung des Backfisches glücklich ebnen und lösen ließen. Allen Freundinnen einer launigen, humorvollen Lektüre sei dieser Band warm empfohlen. (Das Kränzchen, Band 18, 1905/06)
… Flotter Stil, prächtige Charakterbilder, neckischer Humor wie sinniger Ernst machen das Buch auch inhaltlich zu einer für die reifere Jugend geeigneten Lektüre. (Tägliche Rundschau, Berlin)
Weiter einige anmutige Gaben für junge Mädchen. Bereits in dritter Auflage erscheint Papas Junge, eine Erzählung für junge Mädchen von Henny Koch (Preis 4,50 M). Diese allerliebste Mädchengeschichte, die die Schicksale der übermütigen Friedel, ihre Taten, ihre Wandelung und Läuterung anregend und spannend schildert, wurde zuerst in der Zeitschrift Kränzchen abgedruckt und fand schon dort lebhaften Anklang, so daß sich der Verlag dann zu dieser höchst eleganten Sonderausgabe entschloß, die durch ein überaus flottes Umschlagbild und viele anmutige Illustrationen geschmückt ist. Heranwachsenden Mädchen wird das Buch viel Freude gewähren. (Norddeutsche allgemeine Zeitung, 26.11.1905)
Eine heitere, lebensfrohe und doch wieder ernste Erzählung für junge Mädchen. (Innviertler Volkszeitung, 2.12.1937)
Die Personen
»Friedel Polten heiß‘ ich,« sagte sie mit ihrer hellen klingenden Stimme. »Papas Junge bin ich, Tante Lenchens Schmerzenskind war ich und soll hier bei euch nach ihrem Herzen zurechtgestutzt werden. So ’n richtiges, zimpferliches Mädel aber lass ich nicht aus mir machen, um keinen Preis. Euch aber will ich ein guter Kamerad sein, solange ich hier bin und –«
In Henny Kochs Erzählung kommen viele in der Gesellschaft der Kaiserzeit typischen Figuren vor:
Friedel Polten als die unangepasste, rebellische Tochter
ihre Schwester als das gute Vorbild
der Gutsherr als Familienoberhaupt
die unverheiratete Tante als Mutterersatz
der junge Geschäftsmann im Ausland
der reiche Sohn auf Bildungsreisen
die englische Erzieherin
der französische Tanzlehrer
im Mädchenpensionat: die Vorsteherin „Tante“, das Fräulein Lehrerin und der Professor
die Mitschülerinnen und Freundinnen, die alle möglichen Charaktere abbilden
das meist Dialekt sprechende Personal
Friedel Polten, die Hauptperson, steht für den unangepassten Backfisch. Hier ist die Schlüsselszene am Anfang der Erzählung zu sehen. Friedel rutscht das Treppengeländer herunter, um schnell zur auf sie wartenden Hochzeitsgesellschaft zu kommen. Diese Szene bildet häufig das Motiv für Einbandillustrationen der Ausgaben von Papas Junge.
Friedel Polten bei der Hochzeit ihrer Schwester Lisa, die für das angepasste Vorbild steht, für die brave, blonde Tochter, die standesgemäß heiratet, und zwar Werner Horst, der als Kaufmann mit einem eigenen überseeischen Exportgeschäft für die jungen deutschen Geschäftsmänner steht, die im 19. und frühen 20. Jahrhundert ihr Geschäft im Ausland aufbauen, vorzugsweise in Großbritannien, da das als politisch und rechtlich stabile Umgebung gilt.
Friedel Polten mit ihrer Tante Lene, die für das unverheiratete Familienmitglied steht, Friedels Mutterersatz, eine alte Dame – streng, aber mit einem guten Herzen – und mit ihrer englischen Erzieherin Miss Miller, die für die um die Jahrhundertwende häufig vorkommenden ausländischen Erzieherinnen steht, humor- und verständnisvoll, die selbst als einzige Schwester von sechs Brüdern als „7. Junge“ aufgewachsen ist.
Eine Szene im Pensionat, im Hintergrund die Vorsteherin, die „Tante“ genannt wird, und ein wilder Haufen junger Mädchen, Friedels Freundinnen im Pensionat, die alle Backfischtypen, d.h. alle möglichen Charaktere abbilden, die man auch heute noch aus Internatsgeschichten kennt: die Träumerin, das Genie, die Diva, die Beliebte, der Klassenclown usw.
Im Pensionat gibt es neben der Lehrerin Fräulein Lange auch einen Professor, den Literaturlehrer.
Zu Hause bringt die Köchin Babette, auch Babetteken genannt, Friedel das Kochen und Backen bei. Sie steht für das Personal, das um die Jahrhundertwende zu einem bürgerlichen Haushalt gehörte. Typisch für das Personal ist bei Henny Koch der Dialekt.
»Nee, so schnell schieße die Preiße nit. Mit ‚m Kuche wird nit angefange.«
»Freileinche, Freileinche, unser liewer Herrgott im Himmel schenk‘ Ihne so viel Glück, als er nur zusamme bringe kann for ein Menschekind allein.«
Fräulein Hummel, Lehrerin bei den Nähstudien, steht für die vielen unverheirateten Lehrerinnen
Friedel Polten beim Ball zu Ehren ihres 16. Geburtstages
Gesellschaftliche Anlässe wie Bälle, Teegesellschaften und Familienfeiern waren wichtige Gelegenheiten, um soziale Kontakte zu pflegen und den eigenen Status zu zeigen. Anstand und Etikette spielten eine große Rolle.
Friedel Polten mit ihrer Freundin Lilly Metzler, der Tochter des Regierungsrats Metzler, die für den passenden, standesgemäßen Umgang eines Backfischs in bürgerlichen Kreisen steht.
Friedel Polten trifft im Urlaub in der Schweiz Klaus von Rödern wieder, der ihr Tischherr bei Lisas Hochzeit gewesen ist. Herr von Rödern steht für den Typ „reicher Sohn“, der Bildungsreisen in aller Herren Länder unternimmt, bevor er sich auf einem Gutshof niederlässt und eine Familie gründet.
Friedel Polten mit ihrem Papa Konrad Polten
Er ist ein Gutsherr und das Familienoberhaupt. Wenn er auch in seiner Sprache viele militärische Ausdrücke verwendet und zuweilen laut wird, so ist er doch Friedels „Vaterherz“. Man geht in der Familie Polten sehr liebevoll miteinander um, umarmt und drückt sich. Das sonst um die Jahrhundertwende meist distanziertere Verhältnis zwischen Eltern und Kindern gibt es bei Poltens nicht.
Erzählweise
Henny Kochs Erzählweise ist von einem leichten, humorvollen Ton geprägt.
Henny Koch will Geschichten erzählen und die Leser dabei unterhalten und anrühren.
Die ausländischen Ausgaben
Papas Junge ist so erfolgreich, dass die Rechte auch ins Ausland verkauft werden.
Hier geht’s zu einer Sammlung in- und ausländischer Verlagsanzeigen und Rezensionen.
Die Ausgaben von Papas Junge
Ein bunter Bilderbogen von der ersten Veröffentlichung in der Mädchen-Zeitschrift Das Kränzchen bis zu den Ausgaben in Italien, den Niederlanden, Norwegen, Ungarn, Spanien, Polen und Argentinien.
1901 Papas Junge als Fortsetzungsgeschichte in 28 Folgen in der illustrierten Mädchen-Zeitung Das Kränzchen (Ill.: Kunstmaler Adolf Wald (1868-1940))
1905 Buch Papas Junge (D)
1905Il birichino di papà in Italien (Ü: Maria Campanari, Ill.: Edmondo Abbo della Pina (geb. 1875))
1907Papas Jongen in den Niederlanden (Ü: Catharina A. Dermoût-Visser, Ill.: Grafiker Andre Vlaanderen (1881-1955))
1907
Papa’s Jongen in den Niederlanden (Ü: Catharina A. Dermoût-Visser, Ill.: Grafiker Andre Vlaanderen (1881-1955))
1911Frida-Gutten in Norwegen (Ü: Sara Wiborg)
1925Bébi in Ungarn (Ü: Margit Gáspárné Dávid, Ill.: Richard Geiger (1870-1945))
1920er
deutsche Neuausgabe Papas Junge (Ill: Gustav Traub (1885-1955))
1929El chico de papá in Spanien (Ü: Theodor Scheppelmann)
1930Zuch dziewczyna 1. Teil in Polen (Ü: Henryka Felkowska) als „Anna Koch“
1931Franka 2. Teil in Polen (Ü: Leonia Szczerska) als „Anna Koch“
1940Bébi in Ungarn (Ü: Margit Gáspárné Dávid, Ill.: Jenő Pályi (1900-1953))
1940
letzte deutsche Buchausgabe Papas Junge (94. Auflage, Ill.: ohne)
1946
italienische Neuausgabe (NÜ: Augusto Togarich)
1948
italienische Neuausgabe (Ü: Maria Campanari, Ill.: Illustrator, Cartoonist und Maler Giorgio de Gaspari (1927-2012))
1949Frida, el picarón de papá in Argentinien (Ü: Aida G. Barbagelata, Ill.:)
1953
spanische Neuausgabe (NÜ: Jonasa Lalock, Ill.: Illustratorin Mercedes García Valiño, die für ihre Papierpuppen bekannt ist)
1970
letzte italienische Ausgabe (Ü: Maria Campanari)
So heißt „Papas Junge“ Friedel Polten in andern Ländern!
Vergleich einer deutschen und einer niederländischen Illustration: „Sag mal, Babetteken, kocht die Milch?“
Die Darstellung von Papas Junge Friedel Polten wird in Neuausgaben modernisiert und in ausländischen Ausgaben teilweise angepasst, was Kleidung, Mode, Möbel und Körperhaltung betrifft, z. B. kann bei den folgenden Illustrationen beobachtet werden:
dass Friedel Polten in den Illustrationen der ersten Ausgaben „würdevoll“ seitlich und in späteren Ausgaben „unschicklich“ rittlings das Treppengeländer herunterrutscht
Vergleich der verschiedenen Illustrationen: „Eine schlanke, weißgekleidete Mädchengestalt rutschte blitzschnell nieder auf dem Treppengeländer.“
Deutsche Erstausgabe
Italienische Ausgabe
Norwegische Ausgabe
Polnische Ausgabe
Ungarische Ausgabe
Ungarische Ausgabe
Italienische Ausgabe
dass sich die Rocklänge von bodenlang zur praktischeren kürzeren Form verändert
dass auch die Ärmel kürzer werden und nicht mehr bis zum Handgelenk reichen
dass aus den langen, hochgesteckten oder zu Zöpfen geflochtenen Haaren kürzere, kinnlange Frisuren werden
Vergleich der deutschen Illustrationen der Originalausgabe und der Neuausgaben aus den 1920er Jahren: „Behutsam ließ sich Herr von Rödern neben ihr nieder.“
Italienische Ausgabe
Deutsche Neuausgabe 1920er Jahre
Italienische Ausgabe
Späte Italienische Ausgabe
Spanische Ausgabe
dass man das Haus nicht ohne Hut verlässt, dass Hüte erst groß und verziert, später als Glocken- oder Topfhüte mit schmalem Rand dargestellt werden oder dass in einigen Szenen gar keine Hüte mehr getragen werden
Vergleich der verschiedenen Illustrationen: „Eine nach der andern kletterte hinunter in den Garten.“
Italienische Ausgabe
Ungarische Ausgabe
Ungarische Ausgabe
Spanische Ausgabe
Il Birichino di Papà
Die italienische Verfilmung
Sie hören die Filmmusik zu „Il Birichino di Papà“ von Nino Rota
Henny Kochs Erzählung Papas Junge war in Italien so bekannt und beliebt, dass sie dort 1942 sogar als „Il Birichino di Papà“ verfilmt wurde.
Die Handlung
Ausschnitte aus „Il birichino di papà“ von 1942
Freie Adaption
Cinema dei telefoni bianchi
In Italien lief der Film ab Frühjahr 1943 in den Kinos, auch in der Schweiz wurde er ab 1944 gezeigt – mit deutsch-französischen Untertiteln.
In der Kinochronik des Bieler Tagblatt wird am 24. August 1945 über »Nicoletta, der Schrecken der Familie« (Il birichino di Papa) aus dem Cinéma Apollo berichtet.
Später wurde Il Birichino di Papà im italienischen Fernsehen gezeigt, als Videokassette und DVD veröffentlicht und auf RaiPlay, der kostenlosen Streaming-Plattform der italienischen Rundfunkanstalt Rai zur Verfügung gestellt.
Der Backfisch
Zur Wortherkunft „Backfisch“
Backfischalter
Neben Schaukelpferd und Husarentschako, Wachspuppe und Steinbaukasten hat auch das Buch ein angestammtes Recht auf seinen Platz unterm Weihnachtsbaum. Das ist’s, was mir die Feder in die Hand drückt. […] Thekla v. Gumpert, die alte würdige Dame, hat noch immer ihre Verehrer, aber im ganzen zieht die junge weibliche Welt die Henny Koch vor, Agnes Hofmann, die Clement, ach, und den Trotzkopf von Emmy v. Rhoden ! Es ist ja freilich immer dieselbe Tonart in Moll: Idyllisches Forsthaus, lustiges Pensionat, Tanzstunde usw.
Alles in Rosenrot, das Leben selbst wird wesentlich grauer werden, aber vielleicht grad‘ drum! Vergrabt euch nur darin am schönen ersten Weihnachtsmorgen und knabbert Pralinees dabei! O du selige, holde Backfischzeit!
Emil Lauenstein, Buchhändler, 1913
Backfischtugenden
So wie die Erziehung im Deutschen Kaiserreich die jungen Mädchen auf die Heirat und das Familienleben vorbereitet, so soll auch die Mädchenlektüre diese Werte unterstützen. In diesem Zusammenhang ist im 19. Jahrhundert die Backfischliteratur entstanden.
Wer kennt nicht „Backfischchens Leiden und Freuden“? Die Heldin wird fast immer als ein verzogenes, unbändiges Kind eingeführt, sie muss erzogen werden. Entweder übernimmt eine gütige, alte Tante mit silberweißem Scheitel das räudige Schäfchen zur Correction, oder es wird in eine herrliche, ideale Pension gesteckt. Nach sechs Monaten hat sich der Wildling in ein reizendes, sittsames Fräulein verwandelt, ganz dazu angetan, „ihm“, der zur rechten Zeit auftaucht, den Kopf zu verdrehen. Nach einem Jahre, resp. im letzten Kapitel, erfolgt pünktlich die Verlobung, der noch fünf oder sechs Nebenverlobungen der Freundinnen usw. vorausgingen. Umarmung, Kuss, Schluss! Das ist durchschnittlich der Hauptinhalt.
Frauenleben, Zeitschrift für Lehrerinnen und Erzieherinnen, 1902
Merkbüchlein für Backfische
Mit Ehrfurcht komme dem Alter entgegen, Antworte bescheiden, doch sei nicht verlegen.
Durch Höflichkeit wird dir manches gelingen, Höflich begegne auch dem Geringen.
Komme pünktlich, sag pünktlich Bescheid, Des Gastes Pflicht ist die Pünktlichkeit.
Nach der Art deiner Int’ressen Wird man deinen Wert bemessen.
Der Bildungsprotz ist schwer zu leiden, Wahre Bildung macht bescheiden.
Laß dich den Namen „Backfisch“ nicht kränken, Du wirst noch gerne zurück einst denken An die knospende Zeit, die frohe, oft tolle, Die strebende und erwartungsvolle.
aus dem „Kränzchen“, 1901
Im 14. Band der illustrierten Mädchenzeitschrift Das Kränzchen aus dem Jahr 1901 finden sich „Merksprüche für Backfische“, die die Erwartungen an das Verhalten junger Mädchen um 1900 noch einmal verdeutlichen.
Der Backfisch
Papas Junge Friedel Polten, der unangepasste Backfisch
Friedel Polten
»Erbarm dich! Was war denn da groß, sagst du?« Die alte Dame unterstrich jedes Wort doppelt und dreifach. »Was war denn da groß? Nein, es ist gar nichts, wenn ein junges sechzehnjähriges Mädchen am Treppengeländer herunterfährt wie der erste beste Junge, und das im vollen Hochzeitstaat, angesichts aller Gäste, Damen wie Herren. Es ist durchaus in der Ordnung, wenn sie sich dann nach der Trauung mitten unter die Dorfbengels mischt, mit Pistolen knallt, schreit wie besessen und sich Winkelhaken ins Kleid reißt, die sie mit Heftpflaster zuklebt. Von den ungehörigen, albernen Reden, die sie geführt haben mag, schweige ich ganz, aber Herrn v. Röderns Gesicht ließ tief blicken. Dann aber ist’s durchaus, was sich gehört, dass sie direkt nach dem Essen auf die Schaukel springt, jedenfalls wie toll schaukelt, den Rock zerreißt, mit Hilfe eines Herrn den Fetzen vollends abtrennt und dann zu Rad in diesem Aufzuge der Schwester nachsetzt, deren Abschied sie gedankenlos versäumt hat. Es ist dies alles ein vollständig tadelloses, korrektes, anständiges Benehmen eines jungen Mädchens und durchaus nichts Erstaunliches dabei. Nun, Konrad?«
aus Papas Junge
Was ist an Friedels Verhalten so unangemessen und empörend? Heutzutage würde sie wohl nicht so anecken.
Veraltete Ausdrücke
Welche Wörter muss man heute erklären?
Neben der alten Frakturschrift machen auch manche veraltete Ausdrücke oder Redewendungen das Lesen zu einer spannenden Herausforderung. Hier ein paar Beispiele:
Die Deutsche Kaiserzeit
Henny Koch ist 16 Jahre alt als am 18. Januar 1871 Wilhelm I. zum Deutschen Kaiser proklamiert wird und die deutsche Kaiserzeit beginnt.
Ihr Erwachsenwerden, ihre Erziehung, ihr weiteres Leben und ihr Weltbild sind von den sozialen, politischen und kulturellen Bedingungen und Strukturen der Kaiserzeit geprägt.
Sie wächst in einer höheren sozialen Schicht auf. Ihr Vater ist Kaufmann, der Großvater väterlicherseits Leinenfabrikant, und der Großvater mütterlicherseits Stadtgerichtssekretär.
Leben der Kinder in der Kaiserzeit
Schulpflicht
Erziehungsziele
Kaiserzeit, Belle Époque und Edwardian Era
Am 9. November 1918 endet die deutsche Kaiserzeit mit der Ausrufung der Weimarer Republik. Henny Koch ist 64 Jahre alt.
Was hat sich entwickelt?
Was bleibt?
Meine Beschäftigung mit Henny Koch hat inzwischen so vieles hervorgebracht – all das auf der folgenden Collage Sichtbare – und das Unsichtbare, das Emotionale, die vielen Menschen, die ich durch das Projekt kennengelernt habe, die mir geholfen haben, die meine Begeisterung mitgefühlt und verstanden haben, die besonderen Begegnungen und Erlebnisse. Es macht viel Freude in den inzwischen über 25 Jahren an Erinnerungen zu schwelgen.
Es stellt sich für so manchen Besucher dieser Website bestimmt die Frage, wie und wo man heutzutage noch Bücher von Henny Koch lesen kann.
Von Papas Junge gibt es seit April 2025 eine kommentierte Ausgabe, im Selbstverlag bei Kindle Direct Publishing erschienen. Diese kommentierte Ausgabe enthält neben dem vollständigen Backfischroman wertvolle Zusatzinformationen, wie:
Erklärungen schwieriger oder veralteter Wörter in den Fußnoten
Lebenslauf der Autorin
Hintergrundinformationen zum Werk
Entstehungszeit
Auflistung der Ausgaben, Übersetzungen und Adaptionen
Personenverzeichnis
Zusammenstellung der im Werk erwähnten Musik und Literatur
Gegenüberstellung der verschiedenen Illustrationen
Erzähltechnik
Rezeption
Text- und Bilddokumente zur historischen und literarischen Einordnung des Werks
Gutenberg-DE wurde in den Kindertagen des Internet im Jahr 1994 gegründet und bietet deutschsprachige E-Texte von Autorinnen und Autoren, die vor mehr als 70 Jahren verstorben sind und auf deren Werke deshalb kein Urheberrechtsanspruch mehr besteht, im Internet an.
Natürlich kann man in Antiquariaten und Online-Auktionshäusern immer wieder die alten Ausgaben ergattern – mit ein bisschen Geduld auch zu vernünftigen Preisen. Allerdings muss man sich dann mit der Frakturschrift auseinandersetzen und anfreunden.
bei Schatzbehalter, der Elektronischen Bibliothek der ALEKI (Arbeitsstelle für Kinder- und Jugendmedienforschung) der Universität zu Köln und des Bilderbuchmuseums Burg Wissem (Museum der Stadt Troisdorf) :
Digitalisierte niederländische Ausgaben von Henny Kochs Büchern sind in der Digitale Bibliotheek voor de Nederlandse Letteren (DBNL) und bei Delpher zu finden:
Auch digitalisierte polnische Ausgaben von Henny Kochs Büchern sind online verfügbar, und zwar in der polnischen Nationalbibliothek Biblioteka Narodowa:
Bildung ist der Schlüssel zu einem selbstbestimmten Leben. Um die Bildung junger Mädchen und Frauen zu fördern, hat der Club Soroptimist International Seeheim-Jugenheim (SISJ) anlässlich seines zehnten Charterjubiläums einen Preis ausgelobt.
Ich freue mich natürlich sehr, dass Henny Koch Namenspatronin des Preises geworden ist. „Henny Koch ist ein Paradebeispiel einer Frau, die sich durch Bildung und eigene Arbeit ein unabhängiges Leben aufbaute“, erklärt SISJ-Präsidentin Gisela Dallhammer. „Dafür setzen wir Soroptimistinnen uns heute weltweit ein: Bildung für Frauen und Mädchen als Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben.“
2021
Der Henny Koch-Preis wurde am 7. Juli 2021 erstmals vergeben, coronabedingt im kleinen, aber dennoch feierlichen Rahmen in der Aula des Schuldorfs Bergstraße. Er wird ab diesem Sommer jedes Jahr an die jeweils besten Absolventinnen der drei Schulzweige am Schuldorf Bergstraße verliehen. Der Preis ist mit insgesamt 1.500 Euro dotiert. Jede erfolgreiche Schülerin erhält einen Gutschein für ein individuelles Coaching im Wert von 500 Euro. Beste Abiturientin in diesem Jahr ist Friederike Biederer. Den besten Realschulabschluss erreichte Leoni Roth. Berfin Grasmik erhält den Henny Koch-Preis für den besten qualifizierenden Hauptschulabschluss. SISJ-Präsidentin Gisela Dallhammer gratulierte den erfolgreichen Schülerinnen zum Preis und wünschte ihnen Glück auf ihrem weiteren Weg.
Von links: Katrin Faust, Coachin, Sibylle van de Ree, zweite Vizepräsidentin, Friederike Biederer, beste Abiturientin, Leoni Roth, beste Realschülerin, Berfin Grasmik, bester qualifizierender Hauptschulabschluss, Gisela Dallhammer, Präsidentin. (Foto: Eva Reinhold-Postina)
2022
Am Dienstag, den 19. Juli 2022, wurde der Henny-Koch-Preis zum zweiten Mal vergeben. Beste Abiturientin in diesem Jahr ist Amira Mi-Sen Seibert. Den besten Realschulabschluss erreichte Mia Nadja Spitzbarth. Lara Onay erhält den Henny Koch-Preis für den besten qualifizierenden Hauptschulabschluss.
Von links: Katrin Faust,Mia Spitzbarth, Lara Onay, Gisela Dallhammer und Amira Mi-Sen Seibert bei der Preisverleihung. (Foto: Eva Reinhold-Postina)
2023
Am Dienstag, den 11. Juli 2023, wurde der Henny-Koch-Preis zum dritten Mal vergeben. Die diesjährigen Preisträgerinnen sind Alex Scharnow (bester qualifizierender Hauptschulabschluss), Maya Joulie Taylor (bester Realschulabschluss) und Elsa Gracia Mbahal (bestes Abitur).
von links (eingerahmt von SISJ-Präsidentin Sibylle van de Ree links und Coachin Katrin Faust ganz rechts): Elsa Gracia Mbahal (Abitur), Alex Scharnow (qualifizierender Hauptschulabschluss) sowie Maya Joulie Taylor (Realschulabschluss). (Foto: Eva Reinhold-Postina)
2024
Seit 2024 werden neben den herausragenden Absolventinnen der Bildungsgänge Abitur, Realschule und qualifizierender Hauptschulabschluss erstmals auch die besten Absolventinnen der Dahrsbergschule und der State international School am Schuldorf Bergstraße mit je einem Henny-Koch-Preis gewürdigt. Der Preis für den herausragenden Realschulabschluss konnte 2024 nicht vergeben werden, weil die Vergabebedingungen nicht erfüllt wurden. Das International Baccalaureate Diploma (IB) entspricht dem deutschen Abitur, das International General Certificate of Secondary Education (IGCSE) ist mit dem deutschen Realschulabschluss vergleichbar.
von links nach rechts: Breeze-Kate Jüllich (IGCSE), Aliyah Dankwah (Dahrsbergschule), Vivienne Annabelle Dill (Hauptschulabschluss), Julia Christine Grimm (Abitur) und Ylva Hoven (IB). (Foto: Eva Reinhold-Postina)
2025
Zum fünften Mal wurde der Henny-Koch-Preis vergeben, und zwar an: Claudia Marie Teltschik (Abitur), Breeze-Kate Jüllich (IB), Rosalyn Kay Holmes (IGCSE), Julia Sophie Renate Elise Peter (qualifizierender Hauptschulabschluss), Emilia Sarah Hertelendy (Realschulabschluss) und Nala Keller (Abschluss Dahrsbergschule).
von links nach rechts: Claudia Marie Teltschik (Abitur), Breeze-Kate Jüllich (IB), Rosalyn Kay Holmes (IGCSE), Julia Sophie Renate Elise Peter (qualifizierender Hauptschulabschluss), Emilia Sarah Hertelendy (Realschulabschluss) und Nala Keller (Abschluss Dahrsbergschule). (Foto: Eva Reinhold-Postina)
on links nach rechts: Breeze-Kate Jüllich (IGCSE), Aliyah Dankwah (Dahrsbergschule), Vivienne Annabelle Dill (Hauptschulabschluss), Julia Christine Grimm (Abitur) und Ylva Hoven (IB).
In ihrem Geburtsort Alsfeld bekam Henny Koch im Rahmen eines Schulprojekts einen Gedenkstein am Ludwigplatz. In Seeheim-Jugenheim gibt es nun den Henny Koch-Preis, ein Preis, der sicherlich auch in ihrem Sinne gewesen wäre. Wahrscheinlich wäre es für sie ein bisschen zu viel Rummel um ihre Person gewesen, aber vom Hintergedanken, jungen Menschen eine Freude zu machen und dabei zu unterstützen, ihren Weg zu finden, wäre sie wohl begeistert gewesen.
So bleibt mir noch, den Preisträgerinnen herzlich zu gratulieren und viel Freude mit dem Henny Koch-Preis zu wünschen!
Henny Kochs erfolgreichste Erzählung Papas Junge war in Italien als Il Birichino di Papà so bekannt und beliebt, dass es dort 1942 sogar verfilmt wurde.
Regie führte Raffaello Matarazzo, die Musik schrieb Nino Rota (bekannt für die Filmmusik zu „Der Pate“). Die Hauptrollen spielten: Chiaretta Gelli [Nicoletta], Armando Falconi [Leopoldo Giovannini], Dina Galli [la marchesa], Amelia Chellini [Elisa] und Anna Vivaldi [Livia] .
Ich habe die Verfilmung vor einigen Jahren als Videocassette aus der Reihe 100 Film per 100 Anni di Cinema und später als DVD ergattert. Inzwischen ist auch ein kleiner Ausschnitt aus dem Film auf Youtube zu finden:
Grundlegende Elemente der Romanhandlung sind in der Verfilmung zu erkennen. Ansonsten handelt es sich aber doch um eine sehr freie Adaption. Elfriede Polten, die vom Vater ‚Friedel’ und von der Tante konsequent ‚Frieda’ gerufen wird, heißt in dem italienischen Film für die Tante ‚Nicoletta’ und für den Vater ‚Nicola’. Es ist genauso ein wildes Mädchen wie im Buch, das zum Beispiel mit der Pferdekutsche über die Landstraße jagt. Papas Junge spielt zwar im Film nicht Geige, ist aber trotzdem sehr musikalisch und singt, was in einem Film vielleicht auch besser wirkt. Nicola wird in eine strenge Internatsschule geschickt, um zum Mädchen erzogen zu werden, was aber genau wie im Buch nicht wie gewünscht klappt. Der Hauptunterschied zum Buch ist eine Geschichte, die um die geplante Hochzeit der Schwester gesponnen wird. Insgesamt wird Papas Junge als ein Mädchen dargestellt, das sich nichts gefallen lässt, sich für andere einsetzt und trotz seiner Wildheit ein großes Herz hat, wie Henny Koch auch eindeutig den Charakter der Friedel Polten im Buch beschreibt.
Livia: „Senti è meglio che ce ne andiamo, questo avvocato sta peggio di noi“ Nicoletta: „Meglio così, più si è poveri, più si aiuta il prossimo“
Livia: „Wir gehen besser. Dieser Anwalt ist schlechter dran als wir.“ Nicoletta: „Besser so, je ärmer du bist, desto mehr hilfst du anderen.“
Am 21. Oktober 2023 ist ein Audiobeitrag zu Ada Brodnitz mit dem Titel „Zwei Fluchten nach England“ online gestellt worden, entstanden im Zusammenhang mit dem Projekt „STOLPERSTEIN-APP“ in Seeheim-Jugenheim.
Wer war Ada Brodnitz und was hat Ada mit Henny Koch zu tun? Wieso berichte ich überhaupt hier darüber?
Nach Henny Kochs Tod im Jahr 1925 lebte ihre Schwester Helene Koch weiterhin in der Klause und gründete dort eine Schule mit Pension für englische Studierende, und zwar gemeinsam mit Ada Brodnitz.
Die Schule bestand bis 1937/8, als Ada Brodnitz als Jüdin Deutschland verließ, nach England zog und Helene ihr folgte.
In Jugenheim gibt es seit 2014 vor der Klause einen Stolperstein für Ada Brodnitz, und damit er nicht wie so viele anderen Stolpersteine „stumm und im Alltag oft unbemerkt, im wahrsten Sinne des Wortes „übergangen““ wird, vertont eine Arbeitsgruppe in Seeheim-Jugenheim die Biografien dahinter und stellt die Audiobeiträge zunächst über youtube, später auch in einer Stolperstein-App zur Verfügung.
Die Patin des Stolpersteins für Ada Brodnitz und die Autorin des informativen, lebendigen und atmosphärischen Audiobeitrags „Ada Brodnitz: Zwei Fluchten nach England“ ist Inge Sichau:
Eine Liste aller Seeheim-Jugenheimer Stolpersteine ist hier zu finden:
Zur Entstehung und zu den Hintergründen des PROJEKTS „STOLPERSTEIN-APP“ und der Stolpersteine-Arbeitsgruppe gibt es auch einen sehr interessanten Blog mit Texten von Maidon Bader, die das Projekt medienpädagogisch begleitet. Man erfährt viel über die einzelnen Arbeitsschritte bis zum fertigen Audiobeitrag, zu den Herausforderungen und Erlebnissen:
Es folgen ein paar Zitate aus dem Blog, die während der Arbeit an dem Audiobeitrag über Ada Brodnitz enstanden sind:
Was für eine erstaunliche Frau war diese Ada Brodnitz, über die Inge erzählt! Eine alleinerziehende Frau mit eigener Sprachschule in Jugenheim, an die ihre englische Enkeltochter noch heute die besten Erinnerungen hat. Beim Zuhören öffnet sich ein Fenster in eine andere Welt, nicht nur bei dieser, sondern auch bei den anderen Erzählungen. Die kleinen Spratzler und Fehler auf der Aufnahme, die Interview-Partner*innen, die so verschieden agieren und nachfragen, die kleinen Dialoge, die sich dabei ergeben, all das bringt uns das Medium wieder nah, macht es lebendig und macht Lust auf mehr!
Ah, so klingt es, wenn Martin von Heinrich Koppel erzählt, wenn Birgit ein Zitat aus der Ada Brodnitz-Biografie mit englischem Akzent spricht, sofort bekommt das Erzählte Charakter. Dazwischen die gesprochenen Regieanweisungen: „Sendersuche im Radio“, „Autotür schlägt“. Ein erster Höreindruck kommt dabei heraus, eine Audioskizze zum Nachhören. Und die Einsicht: Das Medium, mit dem wir arbeiten, ist kein Hindernis, es ist ein Gewinn.
„Ich brauche noch Stimmengewirr“, sagt Inge. In Ada Brodnitz Sprachschule waren junge Frauen, die Englisch und Deutsch sprachen. Wir versammeln uns um den Gartentisch, es ist nicht schwer, das zu simulieren. Martin nimmt unsere „Atmo“ auf. Den ganzen Tag über sind wir beschäftigt.
Mit jeder Lebensgeschichte zieht es uns tiefer in eine Zeit vor unserer Zeit, als es noch jüdische Mitbürger*innen in Seeheim und Jugenheim gab. Auf einmal ist die Geschichte zum Greifen nah. Und sie ist ergreifend. Das haben wir geschafft.
Wie vermittelt man jungen Menschen Biographien berühmter Persönlichkeiten?
Darüber grübelte ich nach, als der Club Soroptimist mit der Frage auf mich zukam, ob ich sie beim Material, das sie den jungen Henny-Koch-Preisträgerinnen zur Namenspatronin mitgeben möchten, unterstützen kann.
Natürlich habe ich in den letzten Jahren verschiedene Texte zu Henny Koch verfasst, den Wikipedia-Eintrag, einen Lexikonbeitrag und Kurzbiographien für verschiedene Anlässe, aber wäre davon etwas geeignet, um junge Menschen zu begeistern und anzuregen, sich mit Leben und Werk der Schriftstellerin zu beschäftigen?
Letztendlich habe ich mich für ein persönlich gehaltenes Grußwort entschieden und einen Steckbrief erstellt. Einen Steckbrief oder man kann es auch „Freundebuch-Eintrag“ nennen, wie ich es aus den Lieblingsbüchern meiner Tochter kannte, aus den „Freundebüchern“ von Frank Schwieger mit Illustrationen von Ramona Wultschner, in denen berühmte Wikinger, Ritter, Griechen oder Römer ihr Leben erzählen und sich selbst erst mit einem Steckbrief vorstellen.
Diesen Steckbrief mit Leben zu füllen, bedeutete für mich nochmal eine neue Art der Annäherung an Henny Koch, ein Versuch, sich in sie hineinzuversetzen, um Fragen zu beantworten wie:
Wer gehört zu meiner Familie?
Welche Eigenschaften habe ich?
Was macht mich aus?
Was habe ich in meinem Leben erreicht?
Was kann ich besonders gut?
Was mache ich gern?
Worauf bin ich stolz?
Woher nimmt man die Antworten, wenn man die Person nicht mehr selbst fragen kann? Man kann sich nur an alle vorhandenen Quellen halten, die von Henny Koch selbst verfassten oder die über sie entstandenen – wie Briefe, Nachrufe, Vorworte, Verlagsanzeigen, Rezensionen.
Also auch in Vorarlberg interessiert man sich für Backfischliteratur! Der lokale Bezug zu Henny Koch, der bei meinen bisherigen Vorträgen und Ausstellungen immer gegeben war, fehlte hier und trotzdem gab es reges Interesse am Thema und anregende Diskussionen im Anschluss an den Vortrag im damaligen literaturhaus schanett in Hohenems (Vorarlberg) am 7. Oktober 2010.
Unter dem Titel „Backfischliteratur und kreatives Alter im Literaturhaus“ wurden auf vol.at die Veranstaltungen des Literaturhauses im Oktober – darunter auch mein Vortrag – angekündigt. In den Vorarlberger Nachrichten war der Abend über Henny Koch sogar „Tipp des Tages“ – „Das sollten Sie nicht verpassen“!
Zum hessenweit am 10. Mai 2009 stattfindenden „Tag für die Literatur“ werde ich erneut eine Ausstellung zu Henny Kochs Leben und Werk zeigen.
Fünf Jahre nach der Ausstellung in der Hessischen Landes- und Hochschulbibliothek konnte ich nun mit Unterstützung des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Jugenheim a. d. Bergstraße mit der Remise des ev. Gemeindehauses einen schönen Ort für diese Veranstaltung in zentraler Lage in Jugenheim finden.
Im Rahmen einer multimedialen Ausstellung können die Besucher in Leben und Werk der Jugenheimer Schriftstellerin Henny Koch eintauchen und so eine fast in Vergessenheit geratene Autorin wiederentdecken. In der Ausstellung werden Fotos, Dokumente und Bücher gezeigt.
Um 15 Uhr lade ich zu einem kleinen Vortrag mit anschließendem Spaziergang zu den Wohnhäusern Henny Kochs und anderer Jugenheimer Schriftstellerinnen und Schriftsteller ein, darunter Roland Anheißer, Helene Christaller, Luise Ploennies und Reinhard Roehle.
Ort: Remise des Evangelischen Gemeindehauses Jugenheim, Lindenstr. 6, 64342 Seeheim-Jugenheim Ausstellung: 10-17 Uhr Vortrag und Spaziergang: 15 Uhr